Besonderer Kündigungsschutz für Betriebsräte und Ersatzmitglieder

Kündigungsschutz für Betriebsräte, Ersatzmitglieder und Wahlbewerber

Betriebsratsmitglieder sollen ihr Amt ausüben können, ohne um ihren Arbeitsplatz fürchten zu müssen. Deshalb kann der Arbeitgeber ihnen während der Amtszeit und ein Jahr danach nicht ordentlich kündigen. Eine fristlose Kündigung ist nur aus wichtigem Grund möglich, und während der Amtszeit nur mit Zustimmung des Betriebsrats oder des Arbeitsgerichts. Geschützt sind auch Ersatzmitglieder, Wahlbewerber, der Wahlvorstand und Arbeitnehmer, die eine Betriebsratswahl in Gang bringen. Dieser Ratgeber erklärt, wer wie lange geschützt ist, wann eine Kündigung trotzdem möglich ist und warum der Schutz die Abfindung deutlich erhöht.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Keine ordentliche Kündigung: Während der Amtszeit und ein Jahr danach ist eine ordentliche Kündigung ausgeschlossen (§ 15 Abs. 1 KSchG). Das gilt für den Betriebsratsvorsitzenden ebenso wie für alle anderen Mitglieder.
  • Fristlose Kündigung nur mit Zustimmung: Während der Amtszeit braucht der Arbeitgeber einen wichtigen Grund und die Zustimmung des Betriebsrats (§ 103 BetrVG). Verweigert der Betriebsrat sie, entscheidet das Arbeitsgericht.
  • Ersatzmitglieder: Sie sind geschützt, sobald sie nachrücken oder ein verhindertes Mitglied vertreten. Nach einer Vertretung gilt der nachwirkende Schutz nur, wenn sie tatsächlich Betriebsratsarbeit geleistet haben.
  • Wahl: Wahlvorstand, Wahlbewerber, Einladende und Vorfeld-Initiatoren haben eigene, kürzere Schutzfristen.
  • Betriebsstilllegung: Wird der ganze Betrieb geschlossen, ist eine ordentliche Kündigung frühestens zum Zeitpunkt der Stilllegung möglich.
  • Klagefrist: Auch Betriebsratsmitglieder müssen innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung klagen.

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Wer den besonderen Kündigungsschutz hat

Der Schutz nach § 15 KSchG gilt für alle Mitglieder des Betriebsrats, ob freigestellt oder nicht, und ebenso für die Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung, der Bordvertretung und des Seebetriebsrats. Einen weitergehenden Schutz für den Vorsitzenden oder seinen Stellvertreter gibt es nicht. Hinzu kommen Arbeitnehmer, die noch kein Amt haben, aber an der Wahl beteiligt sind: Wahlvorstand, Wahlbewerber, Einladende und Vorfeld-Initiatoren. Für sie gelten eigene Fristen, die weiter unten in einer Tabelle stehen.

Der Schutz soll verhindern, dass der Arbeitgeber Druck auf die Betriebsratsarbeit ausübt oder unbequeme Mitglieder loswird. Er ist kein Vorrecht: Betriebsratsmitglieder dürfen wegen ihres Amtes weder benachteiligt noch begünstigt werden (§ 78 BetrVG). Für sie gelten deshalb dieselben Pflichten aus dem Arbeitsvertrag wie für alle anderen.

Der Schutz tritt neben den allgemeinen Kündigungsschutz. Welche Hürden für jede Kündigung gelten, erklärt der Ratgeber zum Kündigungsschutz. Einen Überblick über alle besonders geschützten Gruppen gibt der Ratgeber zum besonderen Kündigungsschutz.

Keine ordentliche Kündigung während der Amtszeit und ein Jahr danach

Während der Amtszeit ist jede ordentliche Kündigung ausgeschlossen, auch eine betriebsbedingte. Möglich bleibt nur die fristlose Kündigung aus wichtigem Grund, und auch die nur mit Zustimmung des Betriebsrats.

§ 15 Abs. 1 Satz 1 KSchG: Die Kündigung eines Mitglieds eines Betriebsrats, einer Jugend- und Auszubildendenvertretung […] ist unzulässig, es sei denn, daß Tatsachen vorliegen, die den Arbeitgeber zur Kündigung aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist berechtigen, und daß die nach § 103 des Betriebsverfassungsgesetzes erforderliche Zustimmung vorliegt oder durch gerichtliche Entscheidung ersetzt ist.

Der Schutz als Betriebsratsmitglied beginnt mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Davor ist der Kandidat bereits als Wahlbewerber geschützt. Maßgeblich ist der Zugang der Kündigung: Wer erst nach Zugang kandidiert, kann sich nicht auf den Schutz berufen.

Nachwirkender Kündigungsschutz nach der Amtszeit

Nach dem Ende der Amtszeit bleibt die ordentliche Kündigung ein weiteres Jahr ausgeschlossen. Diese Abkühlungsphase soll verhindern, dass der Arbeitgeber Konflikte aus der Amtszeit unmittelbar danach mit einer Kündigung beantwortet.

§ 15 Abs. 1 Satz 2 KSchG: Nach Beendigung der Amtszeit ist die Kündigung eines Mitglieds eines Betriebsrats […] innerhalb eines Jahres, […] jeweils vom Zeitpunkt der Beendigung der Amtszeit an gerechnet, unzulässig, es sei denn, daß Tatsachen vorliegen, die den Arbeitgeber zur Kündigung aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist berechtigen; […]

Das Jahr läuft ab dem Ende der regulären Amtszeit von vier Jahren. Legt ein Mitglied sein Amt vorher nieder, beginnt die Jahresfrist mit der Niederlegung. Keinen nachwirkenden Schutz hat, wer durch Beschluss des Arbeitsgerichts aus dem Betriebsrat ausgeschlossen wurde. In diesem Jahr ist weiterhin nur eine fristlose Kündigung möglich. Der Arbeitgeber muss den Betriebsrat dann aber nur noch anhören, eine Zustimmung braucht er nicht mehr.

Praxistipp: Wer sein Amt niederlegen will, sollte den Zeitpunkt bewusst wählen. Der nachwirkende Schutz läuft ab der Niederlegung genau ein Jahr. Bei einer absehbaren Umstrukturierung kann es sinnvoll sein, das Amt bis zum Ende der Amtszeit zu behalten.

Außerordentliche Kündigung nur mit Zustimmung des Betriebsrats

Während der Amtszeit bleibt dem Arbeitgeber nur die fristlose Kündigung aus wichtigem Grund. Dafür braucht er die Zustimmung des Betriebsratsgremiums. Eine bloße Anhörung reicht nicht.

§ 103 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 BetrVG: (1) Die außerordentliche Kündigung von Mitgliedern des Betriebsrats, der Jugend- und Auszubildendenvertretung, […] des Wahlvorstands sowie von Wahlbewerbern bedarf der Zustimmung des Betriebsrats. (2) Verweigert der Betriebsrat seine Zustimmung, so kann das Arbeitsgericht sie auf Antrag des Arbeitgebers ersetzen, wenn die außerordentliche Kündigung unter Berücksichtigung aller Umstände gerechtfertigt ist. […]

Das betroffene Mitglied darf an der Entscheidung des Betriebsrats nicht mitwirken, für die Abstimmung rückt ein Ersatzmitglied nach. Verweigert der Betriebsrat die Zustimmung oder äußert er sich nicht innerhalb von drei Tagen, muss der Arbeitgeber beim Arbeitsgericht beantragen, sie zu ersetzen. Das betroffene Betriebsratsmitglied ist an diesem Verfahren beteiligt und kann sich verteidigen. Erst wenn die Zustimmung vorliegt oder rechtskräftig ersetzt ist, darf der Arbeitgeber kündigen. Das Ersetzungsverfahren kann über mehrere Instanzen Monate dauern.

Zwei-Wochen-Frist auch bei Betriebsratsmitgliedern

Eine fristlose Kündigung muss innerhalb von zwei Wochen erklärt werden, nachdem der Arbeitgeber von den Kündigungsgründen erfahren hat (§ 626 Abs. 2 BGB). Bei Betriebsratsmitgliedern reicht es, wenn er innerhalb dieser zwei Wochen die Zustimmung beim Betriebsrat beantragt und bei einer Verweigerung das Ersetzungsverfahren einleitet. Ist die Zustimmung rechtskräftig ersetzt, muss er unverzüglich kündigen (BAG, Urteil vom 1. Oktober 2020, 2 AZR 238/20). Versäumt er die Frist, ist die Kündigung unwirksam.

Wann ein wichtiger Grund vorliegt

Ob ein wichtiger Grund vorliegt, misst das Gericht an der Kündigungsfrist, die ohne das Amt gelten würde. Es fragt also, ob dem Arbeitgeber zuzumuten wäre, das Arbeitsverhältnis bis zum Ablauf dieser fiktiven Frist fortzusetzen. Entscheidend ist außerdem, wo das Fehlverhalten liegt:

  • Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten: Es gelten dieselben Maßstäbe wie für jeden anderen Arbeitnehmer, einschließlich Abmahnung und Interessenabwägung. Typische Fälle aus der Rechtsprechung sind Arbeitszeitbetrug, falsche Spesenabrechnungen, eine vorgetäuschte Arbeitsunfähigkeit oder der heimliche Mitschnitt von Personalgesprächen.
  • Verletzung von Amtspflichten: Betrifft das Fehlverhalten allein die Betriebsratsarbeit, etwa die Weitergabe vertraulicher Informationen aus Betriebsratssitzungen oder die Weigerung, Betriebsratsaufgaben zu übernehmen, ist keine Kündigung möglich. Der Arbeitgeber kann dann nur beim Arbeitsgericht den Ausschluss aus dem Betriebsrat beantragen (§ 23 Abs. 1 BetrVG).

Eine fristlose Kündigung wegen Krankheit kommt nur in Ausnahmefällen in Betracht. Selbst eine dauernde Arbeitsunfähigkeit rechtfertigt sie in der Regel nicht, weil dem Arbeitgeber die Einhaltung der fiktiven Kündigungsfrist meist zuzumuten ist. Das gilt auch im Jahr nach der Amtszeit: Dann kann der Arbeitgeber in der Regel das Ende des nachwirkenden Schutzes abwarten und ordentlich kündigen (BAG, Urteil vom 15. März 2001, 2 AZR 624/99). Mehr zu den Voraussetzungen im Ratgeber zur fristlosen Kündigung.

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Kündigungsschutz für Ersatzmitglieder und Nachrücker

Ersatzmitglieder sind die Kandidaten, die bei der Wahl nicht genug Stimmen für einen Sitz bekommen haben. Sie stehen in einer festen Reihenfolge auf der Liste und kommen zum Zug, wenn ein Mitglied ausscheidet oder vorübergehend ausfällt.

§ 25 Abs. 1 BetrVG: Scheidet ein Mitglied des Betriebsrats aus, so rückt ein Ersatzmitglied nach. Dies gilt entsprechend für die Stellvertretung eines zeitweilig verhinderten Mitglieds des Betriebsrats.

Wie weit der Schutz reicht, hängt davon ab, in welcher Lage sich das Ersatzmitglied befindet:

Lage des ErsatzmitgliedsKündigungsschutz
Kein Einsatz seit der Wahlnachwirkender Schutz als Wahlbewerber bis sechs Monate nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses, danach nur Benachteiligungsverbot
Endgültig nachgerücktvoller Schutz eines Betriebsratsmitglieds während der restlichen Amtszeit und ein Jahr danach
Vertritt ein verhindertes Mitgliedvoller Schutz für die gesamte Dauer der Vertretung, auch ohne tatsächliche Betriebsratsarbeit
Vertretung beendetnachwirkender Schutz von einem Jahr, aber nur wenn das Ersatzmitglied tatsächlich Betriebsratsaufgaben wahrgenommen hat

Der Schutz im Vertretungsfall gilt unabhängig davon, ob in dieser Zeit eine Sitzung stattfindet oder das Ersatzmitglied tatsächlich etwas tut (BAG, Urteil vom 8. September 2011, 2 AZR 388/10). Er kann sogar schon vorher beginnen: Bereitet sich das Ersatzmitglied auf eine Sitzung vor, in der es ein verhindertes Mitglied vertreten soll, ist es nach der Rechtsprechung in der Regel ab Zugang der Ladung geschützt, längstens jedoch drei Tage vor der Sitzung (BAG, Urteil vom 17. Januar 1979, 5 AZR 891/77).

Anders ist es nach dem Ende der Vertretung. Der nachwirkende Schutz soll Konflikte aus der Betriebsratsarbeit abkühlen lassen. Hat das Ersatzmitglied in der Vertretungszeit keine Betriebsratsaufgaben wahrgenommen, gibt es nichts abzukühlen, und der nachwirkende Schutz entfällt. Hat es dagegen tatsächlich mitgearbeitet, etwa an einer Sitzung teilgenommen, ist es ein Jahr lang vor einer ordentlichen Kündigung geschützt (BAG, Urteil vom 27. September 2012, 2 AZR 955/11).

Praxistipp: Ersatzmitglieder sollten jede Vertretung dokumentieren: Ladung zur Sitzung, Teilnahme, Protokoll. Kommt später eine Kündigung, hängt der nachwirkende Schutz davon ab, ob die tatsächliche Betriebsratsarbeit nachweisbar ist.

Wahlvorstand, Wahlbewerber und Initiatoren einer Betriebsratswahl

Wer eine Betriebsratswahl organisiert oder kandidiert, ist besonders angreifbar. Das Gesetz schützt deshalb schon die Phase vor der Wahl, mit gestaffelten Fristen.

Schutzfristen bei der Betriebsratswahl im Überblick

RolleSchutz vonSchutz bisZustimmung des Betriebsrats
Mitglied des WahlvorstandsBestellungsechs Monate nach Bekanntgabe des Wahlergebnissesbis zur Bekanntgabe erforderlich, danach nur Anhörung
WahlbewerberAufstellung des Wahlvorschlagssechs Monate nach Bekanntgabe des Wahlergebnissesbis zur Bekanntgabe erforderlich, danach nur Anhörung
Einladende und Antragsteller (die ersten sechs in der Einladung, die ersten drei im Antrag)Einladung oder AntragstellungBekanntgabe des Wahlergebnisses, ohne Wahl drei Monatenicht erforderlich, nur fristlose Kündigung möglich
Vorfeld-Initiatorenöffentlich beglaubigte Erklärung und VorbereitungshandlungEinladung zur Wahlversammlung, längstens drei Monatenicht erforderlich, Kündigungsschutz nur gegen personen- und verhaltensbedingte Kündigung

Seit 2021 sind auch Arbeitnehmer geschützt, die eine Betriebsratswahl erst vorbereiten, die sogenannten Vorfeld-Initiatoren.

§ 15 Abs. 3b Satz 1 KSchG: Die Kündigung eines Arbeitnehmers, der Vorbereitungshandlungen zur Errichtung eines Betriebsrats […] unternimmt und eine öffentlich beglaubigte Erklärung mit dem Inhalt abgegeben hat, dass er die Absicht hat, einen Betriebsrat […] zu errichten, ist unzulässig, soweit sie aus Gründen erfolgt, die in der Person oder in dem Verhalten des Arbeitnehmers liegen, […]

Als Vorbereitungshandlung kann schon ein Gespräch mit Kollegen oder eine anwaltliche Beratung genügen. Eine betriebsbedingte Kündigung bleibt möglich, ebenso eine fristlose Kündigung aus wichtigem Grund. Das Bundesarbeitsgericht hat 2026 zwei Grenzen gezogen. Erstens: Weiß der Arbeitgeber nichts von dem Schutz, muss der Arbeitnehmer ihn in der Regel innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung geltend machen. Wer sich, wie im entschiedenen Fall, erst 15 Monate später darauf beruft, hat das Recht verwirkt (BAG, Urteil vom 30. Juli 2026, 2 AZR 70/25). Zweitens: Der Schutz greift nicht in den ersten sechs Monaten des Arbeitsverhältnisses. Das BAG hat eine entsprechende Entscheidung des LAG München bestätigt (BAG, Urteil vom 10. September 2026, 2 AZR 192/25).

Praxistipp: Wer eine Betriebsratswahl vorbereitet, sollte die öffentlich beglaubigte Erklärung frühzeitig abgeben und ihre Kopie aufbewahren. Kommt trotzdem eine Kündigung, muss der Arbeitgeber innerhalb von drei Wochen nach Zugang nachweisbar über den Schutz informiert werden, am besten zusammen mit der Kündigungsschutzklage.

Betriebsstilllegung und Schließung einer Abteilung

Wird der gesamte Betrieb stillgelegt, entfällt der Grund für den Schutz. Dann ist auch gegenüber Betriebsratsmitgliedern eine ordentliche, betriebsbedingte Kündigung möglich, allerdings frühestens zum Zeitpunkt der Stilllegung.

§ 15 Abs. 4 KSchG: Wird der Betrieb stillgelegt, so ist die Kündigung der in den Absätzen 1 bis 3a genannten Personen frühestens zum Zeitpunkt der Stillegung zulässig, es sei denn, daß ihre Kündigung zu einem früheren Zeitpunkt durch zwingende betriebliche Erfordernisse bedingt ist.

Es gilt die normale Kündigungsfrist. Der Betriebsrat muss angehört werden, zustimmen muss er nicht. Ein früherer Termin ist nur bei zwingenden betrieblichen Erfordernissen möglich, etwa wenn für das Mitglied keinerlei Arbeit mehr vorhanden ist. Bei einem vollständig freigestellten Betriebsratsmitglied scheidet das in der Regel aus. Wird nur die Abteilung geschlossen, in der das Betriebsratsmitglied arbeitet, muss der Arbeitgeber es in eine andere Abteilung übernehmen. Nur wenn das aus betrieblichen Gründen nicht möglich ist, gelten die Regeln für die Stilllegung entsprechend (§ 15 Abs. 5 KSchG).

Ob der Betrieb wirklich stillgelegt wird oder in Wahrheit auf einen neuen Inhaber übergeht, lohnt eine genaue Prüfung. Bei einem Betriebsübergang bleibt der Schutz bestehen. Mehr dazu im Ratgeber zur betriebsbedingten Kündigung.

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Abfindung bei der Kündigung eines Betriebsratsmitglieds

Einen eigenen Abfindungsanspruch für Betriebsratsmitglieder gibt es nicht. Es gelten dieselben Regeln wie für alle Arbeitnehmer: ein Abfindungsangebot nach § 1a KSchG bei einer betriebsbedingten Kündigung, Ansprüche aus Sozialplan oder Tarifvertrag und die Abfindung, die im Kündigungsschutzprozess oder in einem Aufhebungsvertrag verhandelt wird.

In Verhandlungen ist die Position eines Betriebsratsmitglieds aber deutlich stärker. Will der Arbeitgeber sich trennen, muss er einen wichtigen Grund beweisen, die Zustimmung des Gremiums einholen oder ein Ersetzungsverfahren durchstehen. Das kostet Zeit, bringt Unruhe in den Betrieb und belastet die Zusammenarbeit mit dem übrigen Betriebsrat. Liegt der eigentliche Anlass in der Betriebsratsarbeit selbst, scheitert die Kündigung vor Gericht häufig schon am wichtigen Grund. Für viele Arbeitgeber ist deshalb ein Aufhebungsvertrag mit einer Abfindung deutlich über der Faustformel von einem halben Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr der einzige realistische Weg.

Beispiel: Ein Betriebsratsmitglied in einem Logistikunternehmen ist seit zwölf Jahren beschäftigt und verdient 4.200 Euro brutto im Monat. Nach wiederholten Konflikten um die Einhaltung seiner Arbeitszeiten im Schichtbetrieb will der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis beenden. Der Betriebsrat verweigert die Zustimmung zu einer fristlosen Kündigung wegen angeblich falscher Zeiterfassung, das Ersetzungsverfahren droht sich über zwei Instanzen hinzuziehen. Die Parteien einigen sich auf einen Aufhebungsvertrag mit einer Abfindung von 1,5 Bruttomonatsgehältern pro Beschäftigungsjahr: 4.200 Euro × 12 × 1,5 = 75.600 Euro. Nach der Faustformel mit dem Faktor 0,5 wären es 25.200 Euro gewesen.

Wer als Betriebsratsmitglied einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, gibt den besonderen Schutz vollständig auf. Die Folgen für das Arbeitslosengeld und typische Fallen im Vertrag erklärt der Ratgeber zum Aufhebungsvertrag. Einen ersten Richtwert liefert der Abfindungsrechner. Wie Abfindungen berechnet werden, steht im Ratgeber Abfindung bei Kündigung.

Was Betriebsratsmitglieder nach einer Kündigung tun sollten

Auch eine offensichtlich unwirksame Kündigung wird wirksam, wenn das Betriebsratsmitglied nicht rechtzeitig klagt. Die Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen nach Zugang beim Arbeitsgericht eingehen (§ 4 KSchG). Das gilt auch, wenn der Arbeitgeber ohne die nötige Zustimmung gekündigt hat.

  1. Zugangsdatum notieren: Ab diesem Tag laufen die drei Wochen.
  2. Zustimmung prüfen: Lag bei einer fristlosen Kündigung während der Amtszeit die Zustimmung des Betriebsrats vor oder war sie rechtskräftig ersetzt? Fehlt sie, ist die Kündigung unwirksam.
  3. Schutz nachweisen: Wahlbewerber, Ersatzmitglieder und Vorfeld-Initiatoren sollten den Arbeitgeber nachweisbar über ihren Schutz informieren, wenn er ihn nicht kennt, spätestens mit der Klage.
  4. Nichts unterschreiben: Keinen Aufhebungsvertrag und keine Ausgleichsquittung, bevor die Kündigung geprüft ist.
  5. Beraten lassen: Gewerkschaft oder Fachanwalt für Arbeitsrecht einschalten.

Ablauf, Kosten und Erfolgsaussichten erklärt der Ratgeber zur Kündigungsschutzklage. Mit welchen Kosten in der ersten Instanz zu rechnen ist, zeigt der Kostenrechner.

Häufige Fragen zum Kündigungsschutz für Betriebsräte

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Quellen

  • Kündigungsschutzgesetz (KSchG): §§ 1a, 4, 15
  • Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG): §§ 1, 23, 24, 25, 78, 103
  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 626
  • BAG, Urteil vom 10. September 2026, 2 AZR 192/25
  • BAG, Urteil vom 30. Juli 2026, 2 AZR 70/25
  • BAG, Urteil vom 1. Oktober 2020, 2 AZR 238/20
  • BAG, Urteil vom 27. September 2012, 2 AZR 955/11
  • BAG, Urteil vom 8. September 2011, 2 AZR 388/10
  • BAG, Urteil vom 15. März 2001, 2 AZR 624/99
  • BAG, Urteil vom 17. Januar 1979, 5 AZR 891/77

Alle Informationen sind redaktioneller Natur und stellen keine Rechtsberatung dar.

Andrea von Zelewski Avatar

Andrea von Zelewski

Juristin & Ehemalige Richterin am Arbeitsgericht Master of Laws (LLM) cum laude, Universität Stellenbosch, Ehem. Richterin am Arbeitsgericht Stuttgart und Karlsruhe, Zugelassene Rechtsanwältin (Südafrika)

Andrea war nach ihrer juristischen Ausbildung 6 Jahre als Vorsitzende Richterin am Arbeitsgericht tätig. In dieser Zeit hielt sie Seminare für Betriebsräte und war als Einigungsstellenvorsitzende tätig. Seit 1997 lebt sie in Kapstadt, absolvierte an der Universtität Stellenbosch ihren Master of Law (LLM). Sie unterrichtete 10 Jahre Arbeitsrecht an der University of Western Cape (Kapstadt). In den letzten 12 Jahren arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin remote in einer deutschen Kanzlei für Arbeitsrecht, die ausschließlich Arbeitnehmer und Betriebsräte vertritt.

Fachgebiete: Arbeitsrecht, Kündigung, Betriebsrat, Arbeitsgerichtsverfahren, Abfindung

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