Entlassungswelle bei XING: 260 Kündigungen im Dezember 2025

Credits: By XINGCC BY-SA 4.0

Die XING-Muttergesellschaft NEW WORK führt eine weitere massive Entlassungswelle durch. 260 Mitarbeiter haben nach Informationen von AbfindungsHero im Dezember 2025 ihre Kündigung erhalten. Nach bereits 400 Kündigungen im Jahr 2024 steht das Unternehmen erneut vor Massenentlassungen. Betroffene Arbeitnehmer bei XING haben bei Kündigungen Rechte auf Abfindung, Kündigungsschutz und faire Verfahren. Wir erklären, was Sie jetzt wissen müssen.

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Key takeaways

  • Massenentlassungen XING: NEW WORK hat im Dezember 2025 rund 260 Kündigungen ausgesprochen. Dies erfüllt die gesetzlichen Schwellenwerte für Massenentlassungen und löst besondere Arbeitnehmerrechte aus.
  • Betroffene von Massenentlassungen haben ggf. Anspruch auf Abfindungen aus dem Sozialplan und können bei Verfahrensfehlern Kündigungsschutzklage erheben. Die Drei-Wochen-Frist beginnt mit Kündigungszugang.

Hintergrund und Hinweise auf Entlassungen im Dezember 2025

NEW WORK SE ist die Muttergesellschaft mehrerer bekannter Plattformen im deutschsprachigen Raum. Das Hamburger Unternehmen betreibt XING, das führende berufliche Netzwerk für den DACH-Markt, kununu, die Arbeitgeber-Bewertungsplattform, und onlyfy by XING, eine Recruiting-Lösung für Unternehmen. NEW WORK positioniert sich als Recruiting-Partner Nummer eins in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das Geschäftsmodell basiert auf drei Säulen: B2B-Recruiting-Produkte über onlyfy und XING E-Recruiting, Employer-Branding-Lösungen auf XING und kununu sowie kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaften im XING-Netzwerk. Mit diesem Portfolio konkurriert NEW WORK direkt mit LinkedIn und anderen Jobplattformen.

Bis Anfang 2024 beschäftigte NEW WORK rund 1.600 Mitarbeiter. Nach den ersten Massenentlassungen bei XING im Jahr 2024 sank die Zahl auf geschätzt circa  1.200. Die aktuellen XING-Kündigungen würden die Belegschaft um weitere 25 Prozent reduzieren.

In internen Kreisen wird seit einiger Zeit vermutet, dass bei XING im Dezember 2025 noch eine massive Entlassungswelle bevorsteht. Erste Anfragen bei AbfindungsHero deuten seit Tagen darauf hin, dass rund 260 Mitarbeitende ihre Kündigung erhalten könnten – was am 9. Dezember Realität wurde.

Die Entwicklung bei NEW WORK

NEW WORK befindet sich seit 2024 in einem dramatischen Umbruch. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:

  • Januar 2024: Erste Massenentlassungen XING. Im Januar 2024 kündigte NEW WORK an, etwa 400 Arbeitsplätze abzubauen – rund ein Viertel der damaligen Belegschaft. Diese Kündigungen waren Teil eines umfassenden Konzernumbaus. Als Gründe nannte das Unternehmen die schwache Nachfrage nach HR- und Recruiting-Lösungen in einem schwierigen Marktumfeld. NEW WORK wollte sich stärker auf die Kernmarken XING und kununu konzentrieren.
  • August 2025: Delisting und Squeeze-out Im August 2025 verschwand NEW WORK vollständig von der Börse. Burda Digital SE, der Mehrheitseigner, zwang die verbliebenen Minderheitsaktionäre im Rahmen eines Squeeze-outs zum Verkauf ihrer Anteile. Seitdem ist NEW WORK eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Burda Digital.
  • Oktober 2025: Geplanter Verkauf von kununu Im Oktober 2025 berichteten Handelsblatt, Meedia und andere Medien unter Berufung auf Insider, dass Burda die Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu verkaufen will. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2026 über die Bühne gehen, der mögliche Verkaufspreis wird auf rund 500 Millionen Euro geschätzt. Burda dementierte die Berichte nicht, gab aber auch keine Details bekannt. Einige Insider sprechen bereits von einer beginnenden Zerschlagung von NEW WORK SE. Burda scheint die einzelnen Assets des Unternehmens zu monetarisieren: kununu wird verkauft, XING und andere Einheiten werden neu bewertet. Die Erlöse könnten genutzt werden, um die Liquidität bei Burda zu sichern.
  • Dezember 2025: Neue Massenentlassungen XING: Seit Anfang Dezember 2025 verdichten sich die Hinweise auf eine weitere Welle von XING-Kündigungen. Laut übereinstimmenden Berichten sollen rund 260 Mitarbeiter ihre Kündigung erhalten. Ein völlig neues Management-Team ist angetreten, um NEW WORK radikal umzubauen. Die geplanten Massenentlassungen bei XING passen ins Bild: Nach dem Squeeze-out, den 2024er-Kündigungen und dem geplanten kununu-Verkauf scheint Burda entschlossen, die Kostenstruktur weiter zu verschlanken.

Für die betroffenen Arbeitnehmer bedeutet dies: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die rechtlichen Schwellenwerte für Massenentlassungen erreicht werden. Damit greifen besondere Schutzvorschriften und Verfahrenspflichten, die Sie kennen und nutzen sollten.

Wann liegt eine Massenentlassung vor?

Nicht jede größere Kündigungswelle ist automatisch eine Massenentlassung im rechtlichen Sinne. Entscheidend sind die Schwellenwerte des § 17 Kündigungsschutzgesetzes (KSchG). Eine Massenentlassung liegt vor, wenn der Arbeitgeber innerhalb von 30 Kalendertagen folgende Anzahl von Arbeitnehmern entlässt:

  • Betriebe mit 21 bis 59 Beschäftigten: mindestens 6 Kündigungen
  • Betriebe mit 60 bis 499 Beschäftigten: mindestens 10 Prozent der Belegschaft oder mindestens 26 Kündigungen
  • Betriebe mit mindestens 500 Beschäftigten: mindestens 30 Kündigungen1

Bei NEW WORK mit rund 1.400 Mitarbeitern liegt die Schwelle bei mindestens 30 Kündigungen innerhalb von 30 Tagen. Die aktuell kolportierten 300 XING-Kündigungen überschreiten diese Grenze bei Weitem. Es handelt sich damit eindeutig um Massenentlassungen bei XING, die besondere rechtliche Konsequenzen auslösen.

Wichtig für Betroffene: Sobald Massenentlassungen vorliegen, muss NEW WORK ein striktes Verfahren einhalten. Der Betriebsrat muss eingebunden werden, ein Sozialplan muss verhandelt werden und die Agentur für Arbeit muss informiert werden. Jeder Fehler gibt Ihnen Verhandlungsmacht.

XING Kündigungen: Welche Verfahrenspflichten gelten?

Bei Massenentlassungen muss NEW WORK ein mehrstufiges Verfahren durchlaufen. Verstöße gegen diese Pflichten können dazu führen, dass Ihre Kündigung unwirksam ist.

Unterrichtung und Beratung des Betriebsrats NEW WORK muss den Betriebsrat rechtzeitig und umfassend über die geplanten XING-Kündigungen informieren. Die Informationspflicht umfasst:

  • Gründe für die Massenentlassungen
  • Anzahl und Berufsgruppen der zu kündigenden Arbeitnehmer
  • Zeitraum, in dem die Kündigungen ausgesprochen werden sollen
  • Kriterien für die Auswahl der betroffenen Mitarbeiter

Der Betriebsrat hat das Recht, Stellung zu nehmen und Vorschläge zu machen, wie die Massenentlassungen bei XING vermieden oder gemildert werden können.

Interessenausgleich und Sozialplan

Bei Betrieben mit mehr als 20 wahlberechtigten Arbeitnehmern muss NEW WORK mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich verhandeln. Dieser regelt, ob und wie die XING Kündigungen vermieden oder reduziert werden können. Parallel dazu wird ein Sozialplan ausgehandelt. Der Sozialplan legt fest, welche Abfindungen und anderen Leistungen die betroffenen Arbeitnehmer erhalten, um die wirtschaftlichen Nachteile der Massenentlassungen auszugleichen.

Wenn sich NEW WORK und Betriebsrat nicht einigen können, wird eine Einigungsstelle einberufen. Diese trifft eine verbindliche Entscheidung über den Sozialplan.

Massenentlassungsanzeige bei der Agentur für Arbeit

Bevor die Kündigungen wirksam werden, muss NEW WORK eine Massenentlassungsanzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit einreichen. Die Anzeige muss alle relevanten Informationen zu den geplanten Massenentlassungen enthalten, einschließlich der Stellungnahme des Betriebsrats.2

Die Agentur für Arbeit kann die Wirksamkeit der XING Kündigungen um bis zu zwei Monate hinauszögern. Diese Sperrfrist soll den betroffenen Arbeitnehmern Zeit geben, sich nach neuen Stellen umzusehen. Erst nach Ablauf der Sperrfrist – oder sofort, wenn keine Sperrfrist angeordnet wird – werden die Kündigungen rechtswirksam.

Individuelle Kündigungen. Erst nachdem alle diese Schritte abgeschlossen sind, darf NEW WORK Ihnen die individuelle Kündigung aussprechen. Auch hier muss der Betriebsrat angehört werden, und die Kündigung muss alle Voraussetzungen einer ordentlichen betriebsbedingten Kündigung erfüllen, insbesondere die korrekte Sozialauswahl.

Was passiert bei Fehlern im Massenentlassungsverfahren?

Verfahrensfehler bei Massenentlassungen können schwerwiegende Folgen für NEW WORK haben – und große Chancen für Sie als Betroffenen bedeuten:

  • Fehlerhafte Betriebsratsanhörung Wenn NEW WORK den Betriebsrat nicht oder nicht ordnungsgemäß über die XING Kündigungen informiert hat, ist jede einzelne Kündigung unwirksam. Dies gilt auch dann, wenn nur Teile der erforderlichen Informationen fehlen oder falsch sind. Der Betriebsrat muss vollständig und rechtzeitig unterrichtet werden, sonst können Sie die Kündigung erfolgreich anfechten.
  • Fehlende oder fehlerhafte Massenentlassungsanzeige Wenn NEW WORK keine Massenentlassungsanzeige bei der Agentur für Arbeit erstattet hat oder die Anzeige unvollständig war, sind alle XING Kündigungen unwirksam. Das Gleiche gilt, wenn die Kündigungen vor Ablauf einer von der Agentur angeordneten Sperrfrist ausgesprochen werden.
  • Fehlerhafte Sozialauswahl Bei betriebsbedingten Massenentlassungen muss NEW WORK eine Sozialauswahl durchführen. Das bedeutet: Arbeitnehmer mit längerer Betriebszugehörigkeit, höherem Lebensalter, Unterhaltspflichten oder einer Schwerbehinderung genießen besonderen Schutz. Wenn NEW WORK bei den XING Kündigungen die Sozialauswahl fehlerhaft durchführt, können Sie Ihre Kündigung anfechten.
  • Fehlender Interessenausgleich oder Sozialplan Wenn NEW WORK keinen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat vereinbart oder von einem vereinbarten Interessenausgleich ohne triftigen Grund abweicht, können Sie einen Nachteilsausgleich nach § 113 BetrVG geltend machen. Dieser kann bis zu zwölf Monatsverdienste betragen.

Stärkung der Verhandlungsposition: Jeder Verfahrensfehler bei den Massenentlassungen XING stärkt Ihre Position. Selbst wenn die betriebsbedingten Gründe für die Kündigung nachvollziehbar sind, führen Fehler im Verfahren häufig zu deutlich höheren Abfindungen oder sogar zur Weiterbeschäftigung. Lassen Sie Ihre Kündigung daraufhin prüfen.

Ihre Rechte bei XING-Kündigungen: Was steht Ihnen zu?

Als Betroffener von Massenentlassungen XING haben Sie mehrere wichtige Rechte:

Kündigungsschutzklage innerhalb von drei Wochen

Sie müssen innerhalb von drei Wochen nach Zugang der Kündigung Kündigungsschutzklage beim Arbeitsgericht einreichen. Versäumen Sie diese Frist, wird die Kündigung wirksam – selbst wenn sie rechtliche Mängel aufweist.

Eine Kündigungsschutzklage gegen XING Kündigungen lohnt sich fast immer, besonders wenn:

  • Das Massenentlassungsverfahren Fehler aufweist
  • Die Sozialauswahl bei den XING Kündigungen nicht korrekt war
  • Der Betriebsrat nicht ordnungsgemäß angehört wurde
  • Sie besonderen Kündigungsschutz genießen

Anspruch auf Abfindung aus dem Sozialplan

Wenn NEW WORK mit dem Betriebsrat einen Sozialplan für die Massenentlassungen vereinbart hat, haben Sie Anspruch auf die darin festgelegten Leistungen. In der Regel handelt es sich um eine Abfindung, deren Höhe sich nach Ihrer Betriebszugehörigkeit, Ihrem Alter und Ihrem Bruttogehalt berechnet.

Nachteilsausgleich bei fehlendem Interessenausgleich

Falls NEW WORK keinen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat getroffen oder von einem vereinbarten Interessenausgleich abgewichen ist, können Sie zusätzlich zur Sozialplan-Abfindung einen Nachteilsausgleich fordern. Dieser kann bei den XING Kündigungen bis zu zwölf Bruttomonatsverdienste betragen und wird unabhängig vom Sozialplan gezahlt.

Recht auf Weiterbeschäftigung Wenn Ihre Kündigung unwirksam ist, haben Sie Anspruch auf Weiterbeschäftigung. Dies gilt insbesondere während des laufenden Kündigungsschutzprozesses. NEW WORK muss Sie dann zu den bisherigen Bedingungen weiterbeschäftigen, bis das Arbeitsgericht eine Entscheidung trifft.

Was sollten Sie bei XING-Kündigungen konkret tun?

Wenn Sie von den Massenentlassungen XING betroffen sind oder eine Kündigung befürchten, sollten Sie schnell und strategisch handeln:

  • Schritt 1: Kündigungsschreiben prüfen lassen: Lassen Sie Ihre Kündigung anwaltlich prüfen. Die Drei-Wochen-Frist für die Kündigungsschutzklage läuft ab dem Moment, in dem Sie die Kündigung erhalten. Jeder Tag zählt. Ein Anwalt prüft, ob die Massenentlassungen XING korrekt durchgeführt wurden und ob Ihre individuelle Kündigung rechtlich haltbar ist.
  • Schritt 2: Alle Unterlagen sammeln: Stellen Sie alle relevanten Dokumente zusammen: Arbeitsvertrag, Kündigungsschreiben, Unterlagen zur Betriebsratsanhörung (falls Sie eine Kopie erhalten haben), Informationen zum Sozialplan und zur Massenentlassungsanzeige. Je mehr Informationen Ihr Anwalt hat, desto besser kann er Ihre XING Kündigung anfechten.
  • Schritt 3: Kündigungsschutzklage fristgerecht einreichen: Auch wenn Sie sich gütlich mit NEW WORK einigen möchten, sollten Sie die Kündigungsschutzklage innerhalb der Drei-Wochen-Frist einreichen. Nur so wahren Sie Ihre Rechte. Eine spätere Einigung im Wege eines Vergleichs ist jederzeit möglich und in den meisten Fällen auch das Ziel.
  • Schritt 4: Über Abfindung verhandeln: Die meisten Kündigungsschutzverfahren bei Massenentlassungen enden mit einem Vergleich. Dabei wird in der Regel eine Abfindung vereinbart, die über die im Sozialplan vorgesehene Summe hinausgeht. Mit einem erfahrenen Anwalt können Sie bei den XING Kündigungen deutlich bessere Konditionen aushandeln.
  • Schritt 5: (Zwischen)zeugnis anfordern. Fordern Sie frühzeitig ein Zwischenzeugnis an. Dies hilft Ihnen bei der Bewerbung auf neue Stellen und sichert Ihnen eine faire Bewertung Ihrer Arbeitsleistung, bevor es möglicherweise zu Konflikten kommt.

FAQs zu Massenentlassungen XING

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  1. § 17 Abs. 1 KSchG – Kündigungsschutzgesetz ↩︎
  2. § 17 Abs. 3 KSchG ↩︎

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