

Viele Firmen stehen weiterhin unter Druck, ihre Kosten zu senken. Die deutsche Wirtschaft lahmt, insbesondere die Industrie und der Automobilsektor stecken in einer anhaltenden Strukturkrise. Zahlreiche Unternehmen in Deutschland haben daher Entlassungen angekündigt oder bereits begonnen, umzusetzen. Wir haben die Medienberichterstattung der letzten Monate ausgewertet und die größten bekannten Unternehmen aufgeführt, die für 2026 Entlassungen angekündigt haben oder deren Programme noch laufen.
Wo planen Arbeitgeber 2026 Entlassungen?
Der Stellenabbau in Deutschland hat sich 2026 weiter beschleunigt. Betroffen sind vor allem die Automobilindustrie, die Chemiebranche und der Finanzsektor. Neben Volkswagen, das bis 2030 insgesamt 35.000 Arbeitsplätze abbaut, sind Unternehmen wie Bosch, Thyssenkrupp, Continental, Daimler Truck, Mercedes-Benz, Audi, Schaeffler, ZF Friedrichshafen, Porsche, Ford, SAP, Deutsche Bank, Commerzbank, BASF, Evonik, Bayer, DHL, Deutsche Bahn, Lufthansa und Siemens betroffen. Der Schwerpunkt liegt klar auf der Automobilbranche und der Industrie, während der Finanz- und Logistiksektor ebenfalls spürbar unter Druck geraten ist.
Gründe für geplanten Stellenabbau 2026
Die Ursachen sind vielfältig: Der Wandel zur Elektromobilität trifft Automobilhersteller und -zulieferer hart, da Absatzzahlen bei E-Autos hinter den Erwartungen zurückbleiben. Gleichzeitig belasten hohe Energiekosten vor allem die Chemie- und Industriebranche. Hinzu kommen schwache Nachfrage aus China, wachsender Wettbewerb durch chinesische Hersteller sowie der allgemeine Druck zur Digitalisierung und Automatisierung. Viele Unternehmen nutzen Freiwilligenprogramme, Vorruhestandsregelungen und Altersteilzeit, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden.
Unternehmen mit konkret geplanten Entlassungen 2026
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit haben wir im Folgenden einmal die Medienberichterstattung der letzten Monate ausgewertet und die größten zwanzig aus der Presse bekannten Unternehmen aufgeführt, die für das Jahr 2026 bereits Entlassungen angekündigt haben. Soweit Informationen verfügbar sind, beschreiben wir auch die wichtigsten Details über die Art der Programme, zu erwartende Abfindungen usw.
Volkswagen
Volkswagen setzt das im Dezember 2024 beschlossene Restrukturierungsprogramm „Zukunft Volkswagen“ fort. Bis 2030 sollen insgesamt 50.000 Stellen sozialverträglich abgebaut werden – mehr als 20.000 Austritte sind bereits vertraglich fixiert (Stand Juni 2025). Die Produktionskapazität wird um 734.000 Fahrzeuge pro Jahr reduziert. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2030 ausgeschlossen; die Beschäftigungssicherung gilt bis dahin. Abfindungen liegen je nach Betriebszugehörigkeit und Tarifgruppe schätzungsweise zwischen 17.700 € und 404.700€.
Bosch
Die Firma befindet sich im größten Personalabbau ihrer Unternehmensgeschichte: Bis 2032 sollen rund 22.000 Stellen in Deutschland abgebaut werden. Der Konzern setzt auf Vorruhestand, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge. Der Abfindungsfaktor liegt schätzungsweise bei ca. 0,95 Monatsgehältern pro Dienstjahr; mit anwaltlicher Unterstützung wurden Faktoren bis 1,2× erzielt.
Thyssenkrupp
Die Stahlsparte Thyssenkrupp Steel plant den Abbau von 11.000 Stellen bis 2030. Die IG Metall befürchtet konzernweit sogar über 20.000 gefährdete Stellen. Verhandlungen über Sozialplan und Interessenausgleich laufen noch. In der Automotive-Sparte sind weitere 1.800 Stellen betroffen.
Continental
Continental baut bis 2028 weltweit über 10.000 Stellen ab – ursprünglich waren 7.150 geplant, die Zahl wurde inzwischen deutlich erhöht. In Deutschland sind rund 3000 Stellen betroffen, vor allem in Verwaltung und Entwicklung. Der Standort Nürnberg wird vollständig geschlossen.
ZF Friedrichshafen
ZF Friedrichshafen plant bis 2028 den Abbau von 14.000 Stellen deutschlandweit. Hintergrund sind 11 Milliarden Euro Schulden und der schwierige Umbau zur Elektromobilität.
Audi
Audi baut bis 2029 rund 7.500 Stellen ab – betroffen sind vor allem indirekte Bereiche in Ingolstadt und Neckarsulm. Der Konzern spart 1,5 Milliarden Euro ein und hat auch die Erfolgsbeteiligung der Mitarbeiter gestrichen.
Daimler Truck
Daimler Truck baut rund 5.000 Stellen in Deutschland ab, davon ein erheblicher Teil in Verwaltungs- und Entwicklungsstandorten. Der Abbau erfolgt sozialverträglich bis 2030.
Mercedes-Benz
Mercedes-Benz baut weltweit bis zu 10.000 Stellen sozialverträglich ab, davon ca. 5500 in Deutschland, vor allem in Verwaltung und Entwicklung. Das Unternehmen setzt auf ein Freiwilligenprogramm mit überdurchschnittlich hohen Abfindungen – Insider berichten von Beträgen bis zu 500.000 €.
Bosch / BSH Hausgeräte
Das Bosch-Siemens-Joint-Venture BSH Hausgeräte baut bis 2028 rund 1.400 Stellen in Deutschland ab, als Reaktion auf schwache Konsumnachfrage und hohe Produktionskosten.
Schaeffler
Die Firma baut bis 2027 weltweit 4.700 Stellen ab, davon 2.800 in Deutschland – hauptsächlich am Stammsitz Herzogenaurach. Hintergrund ist die Transformation zur Elektromobilität und der Rückgang beim Verbrennergeschäft.
Ford
Ford baut bis Ende 2027 rund 2.900 Stellen in Köln ab – Teil eines europaweiten Abbaus von 4.000 Stellen. Der Abbau erfolgt sozialverträglich über Freiwilligenprogramme und Vorruhestandsregelungen.
SAP
SAP hat sein freiwilliges Abfindungsprogramm mit 3.500 betroffenen Stellen weitgehend abgeschlossen. Das Programm galt als eines der großzügigsten der deutschen IT-Branche, mit einem Abfindungsfaktor von 1,5 Monatsgehältern pro Dienstjahr – Auszahlungen häufig im sechsstelligen Bereich.
Deutsche Bank
Die Deutsche Bank baut bis 2026 rund 2.000 Stellen ab und schließt weitere Filialen. Betroffen sind vor allem Backoffice-Bereiche und Managementebenen im Rahmen des laufenden Effizienzprogramms unter CEO Christian Sewing.
Commerzbank
Die Commerzbank baut im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie tausende Stellen sozialverträglich ab – über Altersteilzeit, Vorruhestand und Aufhebungsverträge. Die Situation ist durch das Übernahmeangebot der Unicredit zusätzlich in Bewegung.
BASF
BASF baut am Stammsitz Ludwigshafen und in der deutschen Chemiesparte mehrere tausend Stellen ab. Hohe Energiekosten und strukturelle Probleme zwingen den weltgrößten Chemiekonzern zu tiefgreifenden Sparmaßnahmen. Abfindungen liegen Berichten zufolge zwischen 110.000 € und 215.000 €.
Bayer
Bayer baut seit 2024 weltweit Stellen ab – in Deutschland sind rund 2.500 Stellen betroffen, vor allem im Management und in der Verwaltung. Das Restrukturierungsprogramm unter CEO Bill Anderson soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Die mögliche Gesamtzahl konzernweit liegt bei bis zu 13.500 Stellen.
Evonik
Evonik baut bis 2028 rund 2.000 Stellen ab, vor allem in der Spezialchemie. Das Unternehmen konzentriert sich künftig auf zwei Geschäftsbereiche und streicht eine komplette Führungsebene.
Deutsche Bahn
Die Deutsche Bahn baut bis zu 30.000 Verwaltungsstellen ab – bei gleichzeitigem Personalaufbau im operativen Bereich (Lokführer, Instandhaltung, Service). Allein bei DB Cargo sind 6.200 Stellen betroffen (Stand Februar 2026). Der Abbau erfolgt sozialverträglich über Altersteilzeit, Vorruhestand und Freiwilligenprogramme.
Lufthansa
Lufthansa baut bis 2027 rund 4.000 Verwaltungsstellen in Deutschland ab – rund 20 % aller administrativen Jobs. Hauptstandorte: Frankfurt, Köln, München und Hamburg. Der Abbau erfolgt freiwillig über Aufhebungsverträge und Vorruhestandsprogramme.
Galeria Karstadt Kaufhof
Nach der dritten Insolvenz in Folge wurden 2024 rund 4.000 Stellen abgebaut und 16 Filialen geschlossen. Das Unternehmen befindet sich unter neuem Eigentümer in einem anhaltenden Schrumpfungsprozess. Abfindungen fallen bei Insolvenzfällen typischerweise deutlich niedriger aus als bei gesunden Unternehmen.
Darüber hinaus haben zahlreiche weitere Unternehmen in Deutschland Stellenabbau angekündigt oder umgesetzt, darunter Mahle, Porsche, Webasto, Lanxess, Covestro, Allianz Partners, Otto Group, ams-OSRAM, Telefónica Deutschland (O2), Qiagen, Vitesco Technologies, Fresenius und Heidelberg Materials – ohne dass in allen Fällen vollständig gesicherte Zahlen vorliegen.
Müssen Beschäftigte mit Kündigungen rechnen?
Nicht unbedingt.
Viele große Arbeitgeber vermeiden betriebsbedingte Kündigungen und setzen stattdessen auf:
- freiwillige Aufhebungsverträge
- Abfindungsprogramme
- Altersteilzeit
- Vorruhestand
- natürliche Fluktuation
Dadurch verlassen viele Beschäftigte das Unternehmen freiwillig.
Fazit
Auch 2026 bleibt der Stellenabbau in Deutschland ein zentrales Thema. Besonders betroffen sind die Automobilindustrie, die Chemiebranche sowie große Industrieunternehmen.
Für Beschäftigte lohnt es sich, angekündigte Restrukturierungen frühzeitig zu verfolgen. Viele Unternehmen bieten attraktive Abfindungsprogramme oder freiwillige Ausstiegsmodelle an, bevor es zu weiteren Personalmaßnahmen kommt.





