Nach Kündigung beim Arbeitsamt melden: Was Sie jetzt tun müssen! 

Arbeitslos melden nach Kündigung

Nach einer Kündigung oder einem Aufhebungsvertrag müssen Arbeitnehmer zwei wichtige Fristen beachten: die Meldung als arbeitssuchend und die spätere Arbeitslosmeldung. Wer diese Fristen versäumt, riskiert finanzielle Nachteile beim Arbeitslosengeld. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Meldungen erforderlich sind und wann Sie handeln müssen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Meldung als „arbeitssuchend“: (1) Sobald ein Arbeitnehmer Kenntnis hat, dass sein Arbeitsverhältnis enden wird, muss er sich bei der Agentur für Arbeit spätestens drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses arbeitsuchend melden. Ist der Zeitraum kürzer, muss er sich innerhalb von drei Tagen ab Kenntnis melden. (2) Bei nicht rechtzeitiger Meldung als „arbeitssuchend“, wird eine Sperrzeit von einer Woche verhängt.
  • Meldung als „arbeitslos“: (1) Mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses und dem Eintritt der Arbeitslosigkeit muss sich der Arbeitnehmer bei der Agentur für Arbeit arbeitslos melden. Die Meldung kann frühestens 3 Monate vor Beendigung und muss spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit erfolgen. (2) Die Arbeitslosmeldung ist eine Voraussetzung für das Arbeitslosengeld. Erfolgt sie nicht, erhält der Arbeitslose kein Arbeitslosengeld. Bei verspäteter Meldung wird es erst ab dem verspäteten Termin ausgezahlt.

Was Sie jetzt konkret tun sollten
– Kündigung erhalten? Sofort prüfen, wann das Arbeitsverhältnis endet.
– Liegen weniger als drei Monate bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses vor, müssen Sie sich innerhalb von drei Tagen arbeitssuchend melden.
– Notieren Sie sich die Frist für eine mögliche Kündigungsschutzklage (3 Wochen).
– Melden Sie sich spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit arbeitslos.
– Beantragen Sie anschließend Arbeitslosengeld.

Erste Meldung: “arbeitssuchend”

Ein Arbeitnehmer, dessen Arbeitsverhältnis enden wird, muss sich bei der Agentur für Arbeit “arbeitssuchend” melden. Dies ist unabhängig davon, ob das Arbeitsverhältnis durch KündigungAufhebungsvertrag oder durch Ablauf einer Befristung enden wird. Die Meldung muss auch dann erfolgen, wenn der Arbeitnehmer gerichtliche Schritte gegen die Beendigung eingeleitet hat.  

Der Zweck der Meldung ist, dass die Agentur für Arbeit Sie frühzeitig bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützen kann. Im besten Fall lässt sich dadurch eine Arbeitslosigkeit ganz vermeiden. Die Agentur für Arbeit hat nach der Meldung unverzüglich ein erstes Beratungs- und Vermittlungsgespräch sowie eine Berufsberatung durchzuführen.

Hinweis: Die Begriffe Arbeitsamt, Arbeitsagentur und Bundesagentur für Arbeit werden im Alltag oft synonym verwendet.. Der Begriff “Jobcenter” hingegen ist etwas anderes: Das Jobcenter ist für das Bürgergeld zuständig.

Zeitpunkt der Meldung 

Steht fest, dass das Arbeitsverhältnis endet, muss die Arbeitssuchendmeldung spätestens drei Monate vor dem Ende erfolgen. Liegen zwischen Kenntnis und Beendigung weniger als drei Monate, muss die Meldung innerhalb von drei Tagen erfolgen.

Die Meldung muss auch bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung über den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses erfolgen.

Form der Meldung

Die Meldung, dass der Arbeitnehmer “arbeitssuchend” ist, kann bei der Agentur für Arbeit auf verschiedene Weise erfolgen:

  • Online-Anmeldung: Der Arbeitnehmer kann sich über die Webseite der Bundesagentur für Arbeit online melden. 
  • Telefonische Anmeldung: Außerdem kann man sich telefonisch gebührenfrei unter der Service-Nummer 0800 4555500 melden.
  • Schriftliche Anmeldung: Zudem gibt es die Möglichkeit der schriftlichen Anmeldung.
  • Persönliche Anmeldung: Natürlich kann man sich auch persönlich vor Ort beim Arbeitsamt melden. Die zuständige Agentur für Arbeit findet man in der Dienststellensuche

Unser Tipp: Die Online-Meldung ist meist der schnellste Weg. Ist eine Online-Identifizierung nicht möglich, kann die Arbeitssuchendmeldung auch telefonisch oder schriftlich erfolgen. Wichtig ist vor allem, die Frist einzuhalten.

>> Muster: Formloses Schreiben zur Arbeitssuchendmeldung

Folgen bei einer verspäteten Meldung als “arbeitssuchend”

Meldet sich ein Arbeitnehmer bei der Arbeitsagentur zu spät als “arbeitsuchend”, führt dies zu einer Sperrzeit von einer Woche beim Arbeitslosengeld. Dies bedeutet, dass das Arbeitslosengeld später und um diese Woche gekürzt ausgezahlt wird. 

Wichtig: Arbeitnehmer müssen die Pflicht zur frühzeitigen Arbeitssuchendmeldung ernst nehmen. Die gesetzlichen Meldepflichten dienen dazu, Arbeitslosigkeit möglichst zu vermeiden und eine schnelle Vermittlung zu ermöglichen.

Bundessozialgericht (Urteil vom 18.08.2005 – B 7a/7 AL 80/04 R): Das Bundessozialgericht urteilte, dass die Minderung des Arbeitslosengeldes wegen einer verspäteten Arbeitssuchendmeldung (gemäß § 37b SGB III a.F.) nur rechtmäßig ist, wenn der Betroffene den konkreten Beendigungszeitpunkt des Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses sicher und positiv kannte!
Es reicht nicht aus, dass eine Person lediglich weiß, dass ihr Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis irgendwann in naher Zukunft endet. Eine Minderung setzt voraus, dass der konkrete Beendigungszeitpunkt feststand und bekannt war!

Zweite Meldung: “Arbeitslos” 

Tritt die Arbeitslosigkeit mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses tatsächlich ein, da der Arbeitnehmer keine neue Arbeitsstelle finden konnte, muss sich der Arbeitnehmer zusätzlich bei der Agentur für Arbeit „arbeitslos“ melden. Grund dieser Meldung ist die Sicherung des Anspruchs auf Zahlung des Arbeitslosengeldes.

Zeitpunkt der „Arbeitslosmeldung”

Arbeitnehmer können sich frühestens drei Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses arbeitslos melden. Die Arbeitslosmeldung muss spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit erfolgen. Ist die Agentur für Arbeit an diesem Tag geschlossen, zum Beispiel wegen eines Sonn- oder Feiertags, können Sie die Meldung am nächsten Öffnungstag nachholen. Ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld bleibt dadurch erhalten.

Form der Arbeitslosmeldung

Die Meldung, dass der Arbeitnehmer arbeitslos ist, kann in Deutschland nur durch Online-Anmeldung oder durch persönliche Anmeldung erfolgen:

  • Achtung: Die Arbeitssuchendmeldung kann telefonisch erfolgen. Die Arbeitslosmeldung dagegen erfordert grundsätzlich eine persönliche Identifikation – entweder online mit Ausweisfunktion oder vor Ort bei der Agentur für Arbeit.
  • Online-Anmeldung: Über die Webseite der Bundesagentur für Arbeit können sich Arbeitnehmer „arbeitslos“ melden. Bei der Online-Meldung ist ein Identifikationsnachweis erforderlich: Die Identifikation erfolgt dabei über den (1) Personalausweis. Dieser muss mit Online-Ausweisfunktion freigeschaltet sein. (2) einen elektronischen Aufenthaltstitel, (3) eine eID-Karte oder (4) einen Ausweis eines EU-/EWR-Mitgliedslandes mit Online-Ausweisfunktion. 
  • Persönliche Anmeldung: Arbeitnehmer können sich auch persönlich vor Ort beim Arbeitsamt melden. Die zuständige Agentur für Arbeit kann man bei der Dienststellensuche finden. Man benötigt ein Ausweisdokument (Personalausweis, Pass etc.) und eine Meldebescheinigung.

Unser Tipp: Wenn man die Voraussetzungen erfüllt, ist das Online-Verfahren natürlich am einfachsten. Wer aber keinen Benutzername/Passkey bei der BFA hat und sich nicht mit Online-Ausweis oder ELSTER-Zertifikat anmelden kann, sollte es telefonisch versuchen. Oft gibt es bei der BFA aber lange Wartezeiten. Manchmal ist auch gar kein Durchkommen. Dann empfehlen wir, zur Fristwahrung die Meldung als “arbeitssuchend” einfach schriftlich zu senden. Um auf Nummer sicher zu gehen, am besten per Einwurfeinschreiben.

Folgen bei einer verspäteten Arbeitslosmeldung

Die Arbeitslosmeldung ist eine Anspruchsvoraussetzung für das Arbeitslosengeld. Das bedeutet: Meldet sich der Arbeitnehmer nicht oder verspätet arbeitslos, liegen bis zu diesem Zeitpunkt die Voraussetzungen für die Auszahlung von Arbeitslosengeld nicht vor. Der Arbeitslose erhält bei unterbliebener Arbeitslosmeldung kein Arbeitslosengeld, bei verspäteter Meldung nur ab dem Zeitpunkt der Meldung.

Weiter gilt die Arbeitslosmeldung auch gleichzeitig als Antrag auf Arbeitslosengeld. Mit der Meldung hat die Agentur für Arbeit die Pflicht, den Arbeitslosengeldanspruch zu bearbeiten. 

Wichtig: Die Meldung als arbeitsuchend ersetzt nicht die Meldung als arbeitslos. Falls Sie Arbeitslosengeld bekommen wollen, müssen Sie sich also zusätzlich fristgerecht noch arbeitslos melden!

Wichtig: Der Anspruch auf Arbeitslosengeld entsteht grundsätzlich erst ab dem Tag der wirksamen Arbeitslosmeldung. Eine verspätete Meldung kann daher unmittelbar zu finanziellen Einbußen führen.

Bundessozialgericht Urteil vom 25.05.2005 – B 11a/11 AL 81/04 R: Das Bundessozialgericht hat entschieden, dass das Arbeitslosengeld bei verspäteter Arbeitsuchendmeldung nicht gemindert werden darf, wenn die verspätete Meldung auf einer unverschuldeten Rechtsunkenntnis beruht

Was passiert nach der Meldung?

Nach der Arbeitssuchendmeldung wird die Agentur für Arbeit in der Regel einen Beratungstermin vereinbaren. Arbeitnehmer erhalten Stellenangebote, Vermittlungsvorschläge oder Hinweise auf Weiterbildungsmaßnahmen. Wer ohne wichtigen Grund Termine versäumt oder Mitwirkungspflichten verletzt, riskiert Leistungskürzungen.

Pflichten nach der Meldung bei der Arbeitsagentur

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich selbst um eine Beschäftigung zu bemühen. Dazu gehört auch der Nachweis von Bewerbungen. Weiter muss er den Vermittlungsbemühungen der Arbeitsagentur zur Verfügung stehen. In persönlichen Beratungsgesprächen werden Vermittlungschancen besprochen und Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung vereinbart. 

Arbeitslosengeld: Voraussetzungen, Höhe und Antrag

Der Antragsteller hat Anspruch auf Arbeitslosengeld unter folgenden Voraussetzungen:

  • Arbeitslos: Der Antragsteller ist arbeitslos.
  • Arbeitslos gemeldet: Die Arbeitslosigkeit wurde bei der Agentur für Arbeit gemeldet.
  • Anwartschaftszeit erfüllt: Der Antragssteller muss innerhalb von 30 Monaten (Rahmenzeit) mindestens zwölf Monate (Anwartschaftszeit) in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis gewesen sein. Dabei müssen die zwölf Monate nicht zusammenhängend sein. Außerdem sind die Zeiten maßgeblich, in denen eine Beitragspflicht bestand. Die tatsächliche Zahlung der Beiträge ist nicht relevant. 

Die Anspruchsdauer für das Arbeitslosengeld richtet sich nach der Dauer des Arbeitsverhältnisses und dem Lebensalter:

Volle Monate der Beschäftigungund nach Vollendung des … LebensjahresArbeitslosengeld für … Monate
12/6
16/8
20/10
24/12
3050.15
3655.18
4858.24

Die Höhe des Arbeitslosengelds beträgt

  • für Arbeitslose mit mindestens einem Kind 67 Prozent,
  • für die übrigen Arbeitslosen 60 Prozent.

Entscheidend ist das Nettoentgelt (d. h. das durchschnittlich auf den Tag entfallende beitragspflichtige Arbeitsentgelt). Dabei sind die Entgeltabrechnungen innerhalb des Jahres vor Ausscheiden des Antragstellers zu berücksichtigen.

Arbeitslosengeld I Rechner

💡 Hinweis:
Grundlage: Beitragsbemessungsgrenze 2025 von 8.050 € monatlich. Es erfolgt ein pauschaler Abzug für Steuern und Sozialabgaben – abhängig von Steuerklasse und Kinderfreibetrag. Das Ergebnis ist eine unverbindliche Schätzung.

Antrag auf Arbeitslosengeld

Der Antrag auf Arbeitslosengeld kann persönlich oder online erfolgen. Voraussetzung hierfür ist immer, dass Sie sich bereits arbeitslos gemeldet haben.

Checkliste für den Antrag

  • Arbeitslos gemeldet
  • Personalausweis bereitgelegt
  • Arbeitsbescheinigung angefordert
  • Kündigungsschreiben aufbewahrt
  • Bankverbindung vorbereitet
  • Fehlende Unterlagen frühzeitig nachreichen

Zusätzlich kann die Agentur für Arbeit weitere Dokumente anfordern:

  • Kündigungsschreiben vom Arbeitgeber
  • Erklärung zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses, falls der Arbeitnehmer selbst gekündigt hat
  • Bescheinigung über den Bezug von Krankengeld (falls zutreffend)
  • Bescheinigung über Nebeneinkünfte, falls während der Arbeitslosigkeit zusätzliche Einnahmen vorliegen
  • Nachweise über frühere Leistungsbezüge, wie zum Beispiel den Bewilligungsbescheid oder Leistungsnachweise, selbst wenn der Leistungsbezug bei einer anderen Agentur für Arbeit erfolgte
  • Beitragsnachweis für die Pflichtversicherung in der Arbeitslosenversicherung

Es ist ratsam, die Dokumente im Vorfeld zu organisieren, um Verzögerungen bei der Bearbeitung des Antrags auf Arbeitslosengeld zu vermeiden.

Nach einer Kündigung sind vor allem die Meldefristen entscheidend. Wer sich rechtzeitig arbeitssuchend und später arbeitslos meldet, sichert seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld und vermeidet Sperrzeiten. Im Zweifel sollte die Meldung immer sofort erfolgen, da eine verspätete Meldung oft nicht mehr rückwirkend korrigiert werden kann.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ich mich auch melden, wenn ich schon einen neuen Job habe?

Ja. Wer bereits weiß, dass direkt im Anschluss ein neues Arbeitsverhältnis beginnt und keine Arbeitslosigkeit eintritt, benötigt häufig keine Arbeitslosmeldung. Die Pflicht zur Arbeitssuchendmeldung kann jedoch trotzdem bestehen. Im Zweifel sollte die Meldung vorsorglich erfolgen.

Andrea von Zelewski Avatar

Andrea von Zelewski

Juristin & Ehemalige Richterin am Arbeitsgericht Master of Laws (LLM) cum laude, Universität Stellenbosch, Ehem. Richterin am Arbeitsgericht Stuttgart und Karlsruhe, Zugelassene Rechtsanwältin (Südafrika)

Andrea war nach ihrer juristischen Ausbildung 6 Jahre als Vorsitzende Richterin am Arbeitsgericht tätig. In dieser Zeit hielt sie Seminare für Betriebsräte und war als Einigungsstellenvorsitzende tätig. Seit 1997 lebt sie in Kapstadt, absolvierte an der Universtität Stellenbosch ihren Master of Law (LLM). Sie unterrichtete 10 Jahre Arbeitsrecht an der University of Western Cape (Kapstadt). In den letzten 12 Jahren arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin remote in einer deutschen Kanzlei für Arbeitsrecht, die ausschließlich Arbeitnehmer und Betriebsräte vertritt.

Fachgebiete: Arbeitsrecht, Kündigung, Betriebsrat, Arbeitsgerichtsverfahren, Abfindung

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